Die Gehaltsvorstellung im Anschreiben ist für viele Bewerber eine der größten Hürden. Zu hoch angesetzt wirkst du unrealistisch, zu niedrig verkaufst du dich unter Wert. Dabei ist das Thema weniger kompliziert, als es auf den ersten Blick scheint -- vorausgesetzt, du kennst die richtigen Formulierungen und weißt, wo die Angabe im Anschreiben hingehört. Auf dieser Seite findest du konkrete Satzvorlagen, ein vollständiges Musteranschreiben und eine Übersicht der häufigsten Fehler. Wenn du noch am gesamten Aufbau deines Anschreibens arbeitest, schau dir zuerst unseren Ratgeber zum Anschreiben-Aufbau an. Tipps für den letzten Absatz findest du unter Anschreiben Schlusssatz.
Wann solltest du die Gehaltsvorstellung angeben?
Ob du eine Gehaltsvorstellung nennen solltest, hängt in erster Linie von der Stellenausschreibung ab. Grundsätzlich gibt es drei Szenarien:
Die Angabe wird ausdrücklich verlangt. Formulierungen wie "Bitte nennen Sie Ihre Gehaltsvorstellung und Ihren frühestmöglichen Eintrittstermin" sind ein klares Signal. Ignorierst du diese Aufforderung, riskierst du, dass deine Bewerbung aussortiert wird, weil der Eindruck entsteht, du liest Stellenanzeigen nicht aufmerksam.
Die Angabe ist optional oder unklar. Manche Unternehmen schreiben "Angabe Ihrer Gehaltsvorstellung wünschenswert". In diesem Fall ist es empfehlenswert, eine Spanne zu nennen. Du zeigst damit Transparenz und Verhandlungsbereitschaft. Lässt du die Angabe hier weg, ist das kein Ausschlussgrund -- aber du verschenkst die Chance, früh im Prozess Klarheit zu schaffen.
Die Stellenanzeige erwähnt das Gehalt nicht. Wenn kein Gehaltswunsch gefordert wird, kannst du die Angabe weglassen. In manchen Branchen -- etwa im öffentlichen Dienst mit festen Tarifgruppen -- ist eine eigene Gehaltsvorstellung ohnehin unüblich. Bist du unsicher, nennst du die Gehaltsvorstellung trotzdem: Es schadet selten und zeigt, dass du dich mit deinem Marktwert beschäftigt hast.
Wo im Anschreiben steht die Gehaltsvorstellung?
Die Gehaltsvorstellung gehört in den letzten Absatz deines Anschreibens, direkt vor der Grußformel. Sie wird typischerweise zusammen mit dem frühestmöglichen Eintrittstermin genannt. Dieser Platz ergibt Sinn, weil du im Hauptteil zunächst deine Qualifikationen und Motivation darlegst. Die Gehaltsangabe rundet das Anschreiben ab, ohne den Fokus von deinen Kompetenzen abzulenken.
Ein typischer Schlussteil sieht so aus:
- Ein bis zwei Sätze zur Motivation oder zum Mehrwert für das Unternehmen
- Gehaltsvorstellung (Jahresbrutto)
- Eintrittstermin
- Einladung zum Vorstellungsgespräch
Achte darauf, dass der Schlussteil nicht überladen wirkt. Zwei bis drei Sätze reichen aus. Vermeide es, das Gehalt mitten im Hauptteil zu nennen -- dort gehören deine Qualifikationen und Erfahrungen hin. Die Gehaltsangabe im Schlussteil wirkt professionell und folgt den Erwartungen deutscher Personaler.
Für die korrekte Formatierung des gesamten Schreibens hilft dir unser Leitfaden zum Anschreiben-Format. Wenn du wissen möchtest, wie man ein Anschreiben schreibt, findest du dort eine vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Formulierungen für die Gehaltsvorstellung im Anschreiben
Die richtige Formulierung macht den Unterschied zwischen selbstbewusst und überheblich. Hier findest du bewährte Satzvorlagen für verschiedene Situationen.
Festes Jahresgehalt nennen
Eine konkrete Zahl wirkt entschlossen und spart Verhandlungszeit. Diese Variante eignet sich besonders, wenn du deinen Marktwert gut kennst.
- "Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 48.000 EUR brutto jährlich."
- "Basierend auf meiner Berufserfahrung und den Anforderungen der Position halte ich ein Jahresbruttogehalt von 52.000 EUR für angemessen."
- "Mein angestrebtes Jahresgehalt beträgt 45.000 EUR brutto."
Gehaltsspanne angeben
Eine Spanne signalisiert Flexibilität und lässt Raum für Verhandlungen. Die Differenz zwischen Unter- und Obergrenze sollte nicht mehr als 5.000 bis 8.000 EUR betragen, sonst wirkst du orientierungslos.
- "Ich stelle mir ein Jahresgehalt zwischen 42.000 und 48.000 EUR brutto vor."
- "Meine Gehaltsvorstellung bewegt sich im Bereich von 38.000 bis 43.000 EUR brutto jährlich."
- "Gehaltstechnisch orientiere ich mich an einem Jahresbrutto zwischen 50.000 und 55.000 EUR."
Verhandlungsbereitschaft signalisieren
Wenn du dir beim Gehalt unsicher bist oder besonders flexibel auftreten möchtest, kannst du die Formulierung bewusst offen halten. Achte darauf, trotzdem eine Zahl zu nennen -- eine rein offene Aussage ohne Betrag wirkt ausweichend.
- "Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 46.000 EUR brutto jährlich. Über die genaue Vergütung freue ich mich, im persönlichen Gespräch zu sprechen."
- "Ich strebe ein Jahresgehalt von circa 40.000 EUR brutto an und bin bei einem überzeugenden Gesamtpaket offen für eine Abstimmung."
- "Gehaltlich orientiere ich mich an 44.000 EUR brutto pro Jahr. Je nach Umfang der Zusatzleistungen bin ich hier gesprächsbereit."
Formulierung als Berufseinsteiger
Als Berufseinsteiger fehlt dir die Verhandlungserfahrung -- und oft auch der Überblick über marktübliche Gehälter. Eine Spanne mit moderater Untergrenze ist hier die sicherste Wahl.
- "Als Berufseinsteiger mit abgeschlossenem Masterstudium orientiere ich mich an einem Jahresgehalt von 38.000 bis 42.000 EUR brutto."
- "Meine Gehaltsvorstellung als Absolventin liegt bei 36.000 EUR brutto jährlich und ist abhängig von den gebotenen Entwicklungsmöglichkeiten verhandelbar."
Anschreiben mit Gehaltsvorstellung -- Beispiel
Passe Gehalt, Eintrittstermin und Erfahrung an dein eigenes Profil an.
Betreff: Bewerbung als Projektmanagerin Digitalisierung

Typische Fehler bei der Gehaltsvorstellung
Selbst eine gut recherchierte Gehaltszahl verliert ihre Wirkung, wenn die Formulierung danebenliegt. Diese Fehler solltest du vermeiden:
Monatsgehalt statt Jahresgehalt angeben. In Deutschland ist es Standard, das Bruttojahresgehalt zu nennen. Schreibst du "Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 3.800 EUR", bleibt unklar, ob du 3.800 EUR monatlich oder -- schlimmer -- jährlich meinst. Nenne immer das Jahresbrutto, zum Beispiel "45.600 EUR brutto jährlich".
Zu hohe Gehaltsvorstellung ohne Begründung. Wenn du ein Gehalt deutlich über dem Branchendurchschnitt verlangst, solltest du das im Anschreiben kurz einordnen. Eine Zahl wie 75.000 EUR für eine Junior-Stelle wirkt ohne Kontext weltfremd.
Zu niedriges Gehalt aus Unsicherheit. Manche Bewerber setzen bewusst niedrig an, um ihre Chancen zu erhöhen. Das geht fast immer nach hinten los: Entweder wirst du zu einem Gehalt eingestellt, das dich langfristig frustriert, oder Personaler zweifeln an deinen Qualifikationen. Ein auffallend niedriges Gehalt kann den Eindruck erwecken, dass du dir deiner Fähigkeiten nicht sicher bist oder die Anforderungen der Stelle nicht vollständig verstehst.
Entschuldigende Formulierungen. Sätze wie "Ich hoffe, meine Gehaltsvorstellung ist nicht zu hoch" oder "Falls das Gehalt nicht passt, bin ich auch für weniger offen" signalisieren Unsicherheit. Nenne deine Zahl sachlich und ohne Rechtfertigung.
Nettobetrag statt Bruttobetrag. Das Gehalt wird im Bewerbungskontext immer brutto angegeben. Nettoangaben zeigen fehlendes Verständnis für die Gehaltsabrechnung und machen es dem Arbeitgeber unmöglich, die Zahl einzuordnen, da die Steuerklasse individuell verschieden ist.
Gehaltsvorstellung ganz weglassen, obwohl verlangt. Wird in der Stellenanzeige explizit nach einer Gehaltsvorstellung gefragt, ist das Weglassen ein K.O.-Kriterium. Es zeigt, dass du Anforderungen übergehst. Viele Unternehmen nutzen die Gehaltsvorstellung bewusst als Filter, um Bewerbungen vorzusortieren. Fehlende Angaben landen dann schnell auf dem Absagestapel.
Gehaltsvorstellung richtig recherchieren
Bevor du eine Zahl in dein Anschreiben schreibst, solltest du deinen Marktwert realistisch einschätzen. Dafür gibt es mehrere verlässliche Quellen:
Gehaltsportale nutzen. Plattformen wie Glassdoor, Kununu und Gehalt.de bieten Gehaltsspannen nach Berufsbezeichnung, Region und Erfahrungsstufe. Vergleiche mindestens zwei Quellen, da die Datengrundlage variiert.
Tarifverträge prüfen. In vielen Branchen (Metall und Elektro, öffentlicher Dienst, Chemie) gibt es tarifliche Eingruppierungen. Diese sind öffentlich einsehbar und geben dir eine verlässliche Orientierung. Im öffentlichen Dienst richtet sich das Gehalt nach TV-L oder TVöD -- eine eigene Gehaltsvorstellung ist hier oft nicht nötig.
Berufserfahrung einrechnen. Als Faustregel gilt: Pro Jahr einschlägiger Berufserfahrung kannst du etwa 2.000 bis 4.000 EUR mehr ansetzen als das Einstiegsgehalt. Führungserfahrung, Spezialkenntnisse und Zertifizierungen rechtfertigen ebenfalls Aufschläge.
Regionale Unterschiede beachten. Gehälter in München, Frankfurt oder Stuttgart liegen oft 10 bis 20 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. In strukturschwächeren Regionen sind die Lebenshaltungskosten niedriger, aber auch die Gehälter. Passe deine Gehaltsvorstellung an den Standort des Unternehmens an.
Gesamtpaket berücksichtigen. Manche Unternehmen zahlen ein niedrigeres Grundgehalt, bieten aber Zusatzleistungen wie betriebliche Altersvorsorge, Jobticket, Homeoffice-Pauschale oder variable Boni. Beziehe das Gesamtpaket in deine Überlegung ein. Du kannst in deiner Formulierung darauf hinweisen: "Je nach Umfang der Zusatzleistungen bin ich bei der Vergütung gesprächsbereit."
Für die Einordnung deiner Gehaltsvorstellung in ein vollständiges Bewerbungsschreiben findest du weitere Inspiration bei unseren Anschreiben-Beispielen.
Häufige Fragen zur Gehaltsvorstellung im Anschreiben
Was schreibt man bei Gehaltsvorstellung im Anschreiben?
Du nennst dein gewünschtes Bruttojahresgehalt in einem kurzen Satz im letzten Absatz deines Anschreibens. Eine bewährte Formulierung lautet: "Meine Gehaltsvorstellung liegt bei [Betrag] EUR brutto jährlich." Alternativ kannst du eine Spanne angeben. Wichtig ist, dass die Angabe konkret bleibt und du auf entschuldigende Zusätze verzichtest. Passende Anschreiben-Vorlagen helfen dir, die Gehaltsvorstellung in den richtigen Kontext einzubauen.
Soll ich Brutto oder Netto angeben?
Immer brutto. Das Bruttojahresgehalt ist die Standardangabe in deutschen Bewerbungen, weil es für Arbeitgeber die relevante Vergleichsgröße darstellt. Nettobeträge sind von der individuellen Steuerklasse, Kirchensteuerpflicht, Kinderfreibeträgen und weiteren Faktoren abhängig und daher für Personaler nicht aussagekräftig. Zwei Bewerber mit identischem Bruttogehalt können sehr unterschiedliche Nettobeträge haben -- deshalb ist Brutto der einzig sinnvolle Vergleichswert.
Was tun, wenn keine Gehaltsvorstellung verlangt wird?
Wenn die Stellenanzeige keine Gehaltsangabe fordert, kannst du die Angabe weglassen. Schaden tut es in den meisten Fällen aber nicht, deine Vorstellung trotzdem zu nennen -- es zeigt Transparenz und beschleunigt den Bewerbungsprozess. Im öffentlichen Dienst oder bei tarifgebundenen Stellen ist die Angabe überflüssig, da sich das Gehalt nach festen Stufen richtet.
Wie formuliere ich die Gehaltsvorstellung als Berufseinsteiger?
Als Berufseinsteiger ist eine moderate Gehaltsspanne die beste Wahl. Recherchiere das branchenübliche Einstiegsgehalt auf Portalen wie Gehalt.de oder Glassdoor und setze deine Untergrenze knapp darunter. Eine Formulierung wie "Meine Gehaltsvorstellung als Absolvent liegt bei 36.000 bis 40.000 EUR brutto jährlich" wirkt realistisch und offen. Verweise bei Bedarf auf dein Studium, relevante Praktika oder Werkstudententätigkeiten als Begründung.
Gehalt als Spanne oder festen Betrag angeben?
Beides ist möglich und akzeptiert. Ein fester Betrag wirkt selbstbewusst und zeigt, dass du deinen Marktwert genau kennst. Eine Spanne signalisiert Flexibilität und gibt dem Arbeitgeber Verhandlungsspielraum. Wenn du dich für eine Spanne entscheidest, halte den Abstand zwischen Unter- und Obergrenze bei maximal 5.000 bis 8.000 EUR. Setze die Untergrenze auf das Gehalt, das du mindestens akzeptieren würdest, und die Obergrenze auf deinen Wunschbetrag. Als Orientierung: Die meisten Personaler erwarten, dass die tatsächliche Einigung im mittleren Drittel der genannten Spanne liegt.