Motivationsschreiben oder Anschreiben -- viele Bewerber verwenden die Begriffe wie Synonyme, obwohl sich dahinter zwei verschiedene Dokumente mit unterschiedlichem Zweck verbergen. Der Unterschied zwischen Motivationsschreiben und Anschreiben ist gerade im deutschsprachigen Bewerbungsmarkt entscheidend, denn wer das falsche Dokument einreicht, riskiert Verwirrung beim Personaler oder sogar eine Absage. Auf dieser Seite erfährst du, was beide Schreiben ausmacht, wie sie sich im Aufbau und Inhalt unterscheiden und wann du welches brauchst. Wenn du zunächst die Grundlagen klären willst, lies unsere Seite Was ist ein Anschreiben. Für eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Schreiben findest du alles unter Wie schreibt man ein Anschreiben.
Was ist ein Anschreiben?
Das Anschreiben (auch Bewerbungsschreiben oder Bewerbungsanschreiben) ist das Standarddokument jeder deutschen Stellenbewerbung. Es bezieht sich direkt auf eine konkrete Stellenanzeige und beantwortet drei Fragen: Warum diese Stelle? Warum du? Warum dieses Unternehmen?
Wichtige Merkmale des Anschreibens:
- Zweck: Du bewirbst dich auf eine bestimmte Position und zeigst, dass deine Qualifikationen zu den Anforderungen passen.
- Länge: Maximal eine DIN-A4-Seite (250--400 Wörter).
- Aufbau: Formaler Geschäftsbrief mit Briefkopf, Betreffzeile, Anrede, Einleitung, Hauptteil und Schluss. Alle Details zur Gliederung findest du auf unserer Seite zum Anschreiben Aufbau.
- Inhalt: Berufliche Qualifikationen, relevante Erfahrungen, konkrete Ergebnisse und der direkte Bezug zur ausgeschriebenen Stelle.
- Wann erforderlich: Bei den meisten Stellenbewerbungen in Deutschland, besonders im Mittelstand, im öffentlichen Dienst und bei formellen Bewerbungsverfahren.
Das Anschreiben ist in der Regel das erste Dokument in deiner Bewerbungsmappe, noch vor dem Lebenslauf. Es ist dein erster Eindruck beim Arbeitgeber und zeigt, dass du die Stellenanzeige gelesen hast und dich gezielt bewirbst.
Was ist ein Motivationsschreiben?
Das Motivationsschreiben, in Deutschland oft als "Dritte Seite" bezeichnet, ist ein zusätzliches Dokument, das über das Anschreiben hinausgeht. Während das Anschreiben sich auf eine konkrete Stelle konzentriert, geht das Motivationsschreiben tiefer auf deine persönliche Motivation, deine langfristigen Ziele und deine innere Passung ein.
Wichtige Merkmale des Motivationsschreibens:
- Zweck: Du erklärst, warum du dich persönlich für ein Studium, ein Stipendium oder eine bestimmte Position interessierst und was dich als Person antreibt.
- Länge: Ein bis zwei DIN-A4-Seiten (500--750 Wörter).
- Aufbau: Freier als ein Anschreiben. Es gibt keine feste Briefformat-Pflicht. Du kannst mit einer persönlichen Geschichte einsteigen, Zwischenüberschriften setzen oder den Text als Fließtext verfassen.
- Inhalt: Persönliche Motivation, prägende Erlebnisse, langfristige Karriereziele, Werte und der persönliche Bezug zur Einrichtung oder Organisation.
- Wann erforderlich: Bei Stipendienbewerbungen, Masterbewerbungen, Auslandssemestern, bestimmten Trainee-Programmen, Führungspositionen oder wenn die Stellenanzeige ausdrücklich ein Motivationsschreiben verlangt.
Das Motivationsschreiben wird typischerweise als dritte Seite nach Anschreiben und Lebenslauf eingeordnet -- daher der Name "Dritte Seite". Es ist kein Ersatz für das Anschreiben, sondern eine Ergänzung.
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
Damit der Unterschied zwischen Motivationsschreiben und Anschreiben sofort klar wird, hier die wichtigsten Kriterien im direkten Vergleich:
| Kriterium | Anschreiben | Motivationsschreiben |
|---|---|---|
| Zweck | Bewerbung auf eine konkrete Stelle | Darstellung persönlicher Motivation und Eignung |
| Länge | 1 Seite (250--400 Wörter) | 1--2 Seiten (500--750 Wörter) |
| Aufbau | Formaler Geschäftsbrief (DIN 5008) | Freiere Form, oft mit Zwischenüberschriften |
| Inhalt | Qualifikationen, Erfahrungen, Stellenbezug | Persönliche Motivation, Werte, langfristige Ziele |
| Tonalität | Sachlich-professionell | Persönlicher, reflektierter |
| Wann verwendet | Stellenbewerbung (Standard) | Studium, Stipendium, Trainee, auf Anforderung |
| Position in der Bewerbung | Erste Seite | Dritte Seite (nach Lebenslauf) |
Der wichtigste Unterschied lässt sich so zusammenfassen: Das Anschreiben beantwortet die Frage "Was kannst du?", das Motivationsschreiben die Frage "Warum willst du das?". Beide haben ihre Berechtigung, aber sie gehören in unterschiedliche Kontexte.
Wann brauchst du welches?
Die Entscheidung, ob du ein Anschreiben, ein Motivationsschreiben oder beides brauchst, hängt von der Art der Bewerbung ab. Hier eine klare Orientierung:
Du brauchst ein Anschreiben, wenn du:
- dich auf eine Stellenanzeige bewirbst (Vollzeit, Teilzeit, Ausbildung)
- eine Initiativbewerbung schreibst
- dich im öffentlichen Dienst bewirbst
- eine klassische Bewerbungsmappe zusammenstellst
Du brauchst ein Motivationsschreiben, wenn du:
- dich für ein Stipendium bewirbst (DAAD, Erasmus, Studienstiftung)
- einen Masterstudienplatz anstrebst, der ein Motivationsschreiben verlangt
- dich für ein Auslandssemester oder einen Studienplatzwechsel bewirbst
- dich auf ein Trainee-Programm bewirbst, das dies explizit fordert
- eine Führungsposition anstrebst, bei der persönliche Passung zentral ist
Du brauchst beides, wenn:
- die Stellenanzeige oder das Bewerbungsportal ausdrücklich ein Anschreiben und ein Motivationsschreiben verlangt
- du dich bei einer Organisation bewirbst, die großen Wert auf kulturelle Passung legt (z. B. NGOs, Stiftungen)
- die Bewerbung ein mehrstufiges Auswahlverfahren umfasst
Im Zweifelsfall gilt: Lies die Anforderungen in der Stellenanzeige genau. Steht dort "Anschreiben", meine ich das klassische Bewerbungsanschreiben. Steht dort "Motivationsschreiben", wird die persönliche Motivation erwartet. Und wenn nichts explizit gefordert wird, reicht in der Regel ein gutes Anschreiben. Für passende Anschreiben Vorlagen und fertige Bewerbung Anschreiben Beispiele findest du auf den verlinkten Seiten direkte Hilfe.
Anschreiben -- so klingt es in der Praxis
Das folgende Beispiel zeigt den typischen Stil eines klassischen Anschreibens: sachlich, stellenbezogen und auf konkrete Qualifikationen fokussiert.
Anschreiben -- Beispiel (Auszug)
Typischer Stil eines Anschreibens: formaler Geschäftsbrief mit direktem Bezug zur Stelle.
Betreff: Bewerbung als Projektkoordinatorin – Ihre Stellenanzeige auf StepStone

Motivationsschreiben -- so klingt es in der Praxis
Vergleiche den Ton mit dem folgenden Motivationsschreiben: persönlicher, reflektierter und stärker auf Werte und langfristige Ziele ausgerichtet.
Motivationsschreiben -- Beispiel (Auszug)
Typischer Stil eines Motivationsschreibens: persönlicher Ton, innere Motivation, langfristige Ziele.
Betreff: Motivationsschreiben für das Masterstudium Nachhaltigkeitsmanagement

Der Vergleich zeigt den Unterschied deutlich: Das Anschreiben konzentriert sich auf Qualifikationen und messbare Ergebnisse. Das Motivationsschreiben erzählt eine persönliche Geschichte, reflektiert Werte und beschreibt eine langfristige Vision. Beide Texte sind überzeugend, aber sie verfolgen unterschiedliche Ziele.
Kann ein Motivationsschreiben das Anschreiben ersetzen?
Die kurze Antwort: In den meisten Fällen nein. Anschreiben und Motivationsschreiben erfüllen unterschiedliche Funktionen und sind nicht austauschbar.
Das Anschreiben ist der Standard bei Stellenbewerbungen in Deutschland. Wenn eine Stellenanzeige ein "Anschreiben" oder "Bewerbungsschreiben" verlangt, ist damit immer der formale Geschäftsbrief gemeint, der sich direkt auf die ausgeschriebene Position bezieht. Ein Motivationsschreiben, das persönliche Werte und langfristige Ziele in den Vordergrund stellt, wird dieser Erwartung nicht gerecht.
Ausnahmen gibt es nur in wenigen Fällen:
- Die Stellenanzeige spricht ausdrücklich von einem "Motivationsschreiben" statt einem "Anschreiben".
- Das Bewerbungsportal hat nur ein Upload-Feld für ein einzelnes Anschreiben, und du weißt, dass persönliche Motivation für die Position wichtiger ist als rein fachliche Qualifikation (z. B. bei NGOs oder im sozialen Bereich).
- Du bewirbst dich auf eine Position im Ausland, wo "Motivation Letter" den deutschen Anschreiben-Begriff ersetzt.
In allen anderen Fällen gilt: Schreib ein Anschreiben. Wenn du zusätzlich ein Motivationsschreiben einreichen möchtest, kannst du es als Dritte Seite ergänzen. Falls du dich fragst, ob du in bestimmten Situationen ganz auf ein Anschreiben verzichten kannst, lies unseren Ratgeber zur Bewerbung ohne Anschreiben.
Häufige Fragen zu Motivationsschreiben und Anschreiben
Was ist der Unterschied zwischen Anschreiben und Motivationsschreiben?
Das Anschreiben ist ein formaler Geschäftsbrief, der sich auf eine konkrete Stellenausschreibung bezieht und deine beruflichen Qualifikationen in den Vordergrund stellt. Das Motivationsschreiben ist ein freieres Dokument, das deine persönliche Motivation, deine Werte und deine langfristigen Ziele beschreibt. Das Anschreiben beantwortet "Was kannst du für uns tun?", das Motivationsschreiben beantwortet "Warum willst du das tun?". In der klassischen Bewerbungsmappe steht das Anschreiben auf Seite eins, das Motivationsschreiben als optionale Dritte Seite nach dem Lebenslauf.
Brauche ich beides -- Anschreiben und Motivationsschreiben?
In den meisten Fällen brauchst du nur ein Anschreiben. Beide Dokumente zusammen sind nur dann nötig, wenn die Stellenanzeige oder das Bewerbungsportal ausdrücklich beides verlangt. Das kommt vor allem bei Stipendien, bestimmten Trainee-Programmen und Bewerbungen bei Stiftungen oder internationalen Organisationen vor. Wenn du unsicher bist, reicht ein gut geschriebenes Anschreiben aus, das auch Elemente deiner persönlichen Motivation enthält.
Wann wird ein Motivationsschreiben verlangt?
Ein Motivationsschreiben wird typischerweise bei Stipendienbewerbungen (DAAD, Erasmus, Studienstiftung), Bewerbungen für Masterstudiengänge, Auslandssemester, Trainee-Programme und manchmal bei Bewerbungen für Führungspositionen oder im Non-Profit-Bereich verlangt. Achte immer auf den genauen Wortlaut in der Ausschreibung: Steht dort "Motivationsschreiben", wird ein persönlicheres Dokument erwartet als das klassische Bewerbungsanschreiben.
Ist ein Motivationsschreiben das Gleiche wie die Dritte Seite?
Ja, im deutschen Sprachgebrauch werden "Motivationsschreiben" und "Dritte Seite" oft synonym verwendet. Beide bezeichnen ein zusätzliches Dokument, das nach Anschreiben und Lebenslauf in die Bewerbung eingefügt wird. Die Dritte Seite bietet Platz für persönliche Motivation, besondere Stärken oder zusätzliche Informationen, die im Anschreiben keinen Platz finden. Nicht jede Bewerbung braucht eine Dritte Seite -- sie ist nur dann sinnvoll, wenn du damit einen echten Mehrwert lieferst, den das Anschreiben allein nicht bieten kann.
Kann ich mein Anschreiben als Motivationsschreiben verwenden?
Nein, eine einfache Übernahme funktioniert nicht, weil sich Aufbau, Tonalität und inhaltlicher Fokus zu stark unterscheiden. Das Anschreiben ist auf eine konkrete Stelle zugeschnitten und betont fachliche Qualifikationen. Das Motivationsschreiben ist persönlicher und geht auf innere Antriebe und langfristige Ziele ein. Du kannst einzelne Elemente aus deinem Anschreiben als Ausgangspunkt nehmen, musst aber den gesamten Text grundlegend umschreiben. Der umgekehrte Weg gilt genauso: Ein Motivationsschreiben eignet sich nicht als Anschreiben, weil ihm der formale Aufbau und der direkte Stellenbezug fehlen.