Bewerbung ohne Anschreiben

Erfahre, wann eine Bewerbung ohne Anschreiben möglich ist, welche Unternehmen darauf verzichten und wie du dich trotzdem abhebst.

Die Bewerbung ohne Anschreiben ist längst kein Tabu mehr. Immer mehr Unternehmen in Deutschland streichen das Anschreiben aus ihren Anforderungen, um den Bewerbungsprozess zu vereinfachen und mehr Bewerbungen zu erhalten. Doch bevor du dein Anschreiben vorschnell weglässt, lohnt sich ein genauer Blick: Wann ist eine Bewerbung ohne Anschreiben tatsächlich sinnvoll? Wann verschenkst du damit eine Chance? Und wie hebst du dich ab, wenn das Anschreiben wegfällt? Auf dieser Seite findest du klare Antworten -- mit konkreten Beispielen, Alternativen und einer ehrlichen Einschätzung. Wenn du grundsätzlich verstehen willst, welche Rolle ein Anschreiben in der Bewerbung spielt, lies zuerst unseren Beitrag Was ist ein Anschreiben.

Wann ist eine Bewerbung ohne Anschreiben möglich?

Nicht jede Bewerbung braucht ein Anschreiben. Es gibt klare Situationen, in denen du darauf verzichten kannst -- oder sogar solltest. Hier sind die häufigsten Szenarien:

Die Stellenanzeige sagt ausdrücklich "kein Anschreiben nötig". Wenn ein Unternehmen in der Ausschreibung schreibt, dass kein Anschreiben gewünscht ist, respektiere das. Ein unerwünschtes Anschreiben kann sogar negativ wirken -- es signalisiert, dass du die Stellenanzeige nicht sorgfältig gelesen hast. Halte dich an die Vorgaben und investiere die gesparte Zeit in einen starken Lebenslauf.

Online-Portale ohne Anschreiben-Feld. Viele Bewerbungsplattformen bieten gar kein Upload-Feld für ein Anschreiben an. Bei "Easy Apply"-Funktionen auf LinkedIn, Indeed oder StepStone lädst du in der Regel nur deinen Lebenslauf hoch. Wenn das Portal keinen Platz für ein Anschreiben vorsieht, ist das ein klares Signal: Es wird keins erwartet. Mehr zu den Besonderheiten verschiedener Plattformen erfährst du in unserem Beitrag zum Anschreiben bei Online-Bewerbungen.

Startups und moderne Unternehmen. In der Tech- und Startup-Szene gelten andere Regeln als in traditionellen Branchen. Viele junge Unternehmen empfinden ein formales Anschreiben als unnötigen Ballast. Stattdessen zählen Portfolio, GitHub-Profil oder ein prägnantes LinkedIn-Profil. Wenn die Stellenanzeige locker formuliert ist und Begriffe wie "Kurzbewerbung", "unkompliziert bewerben" oder "schick uns deinen CV" verwendet, kannst du das Anschreiben weglassen.

Initiativbewerbung via LinkedIn oder XING. Wenn du dich nicht auf eine ausgeschriebene Stelle bewirbst, sondern über soziale Netzwerke direkt auf einen Recruiter oder Hiring Manager zugehst, ersetzt die Nachricht das klassische Anschreiben. Eine kurze, gut formulierte LinkedIn-Nachricht mit zwei bis drei Sätzen zu deiner Motivation wirkt oft stärker als ein formales Schreiben im PDF-Format.

Empfehlung oder Referral. Wirst du von jemandem im Unternehmen empfohlen, ist das Anschreiben häufig zweitrangig. Der persönliche Kontakt hat bereits Vertrauen geschaffen. Trotzdem solltest du deine Unterlagen sorgfältig vorbereiten -- der Lebenslauf muss in diesem Fall besonders überzeugen.

Welche Unternehmen verzichten auf das Anschreiben?

Der Trend zur Bewerbung ohne Anschreiben gewinnt in Deutschland an Fahrt. Besonders große Arbeitgeber haben in den vergangenen Jahren ihre Bewerbungsprozesse verschlankt.

Deutsche Bahn war eines der ersten großen deutschen Unternehmen, das das Anschreiben für viele Positionen abgeschafft hat. Das Ziel: mehr Bewerbungen von Kandidaten, die sich vom formalen Aufwand abschrecken lassen. Stattdessen setzt die Bahn auf kurze Motivationsfragen direkt im Online-Formular.

Henkel hat ebenfalls den Bewerbungsprozess vereinfacht. Der Konsumgüterkonzern verzichtet in vielen Bereichen auf ein klassisches Anschreiben und fragt stattdessen gezielte Fragen im Bewerbungsportal.

Weitere DAX-Unternehmen wie Siemens, SAP und die Deutsche Telekom haben in einzelnen Geschäftsbereichen oder für bestimmte Karrierelevel das Pflicht-Anschreiben gestrichen. Die genauen Anforderungen variieren je nach Stelle und Standort.

Startups und Tech-Unternehmen wie N26, Personio, Celonis oder DeliveryHero arbeiten fast ausschließlich mit Lebenslauf, LinkedIn-Profil und Portfolio. Ein klassisches Anschreiben ist dort die Ausnahme.

Warum verzichten Unternehmen auf das Anschreiben? Die Gründe sind pragmatisch:

  • Mehr Bewerbungen: Je einfacher der Prozess, desto mehr Kandidaten bewerben sich. Gerade in Engpassberufen zählt jede Bewerbung.
  • Schnellere Prozesse: Ohne Anschreiben lässt sich die Vorauswahl beschleunigen. Recruiter konzentrieren sich auf den Lebenslauf und strukturierte Interviews.
  • Weniger Bias: Anschreiben können unbewusste Vorurteile verstärken -- etwa durch Formulierungsstil, Herkunft oder Sprachniveau. Einige Unternehmen sehen im Verzicht einen Schritt zu mehr Fairness.
  • Realistische Einschätzung: Viele Personaler geben offen zu, dass sie Anschreiben nur überfliegen oder gar nicht lesen. Ein Dokument zu verlangen, das kaum beachtet wird, schafft unnötige Hürden.

Solltest du trotzdem ein Anschreiben schreiben?

Die Antwort hängt von der Situation ab. Nur weil ein Anschreiben nicht verlangt wird, heißt das nicht, dass es sinnlos ist. Hier eine ehrliche Gegenüberstellung.

Argumente für ein Anschreiben, auch wenn es optional ist:

  • Du hast eine klare Motivation für genau diese Stelle und dieses Unternehmen, die aus dem Lebenslauf nicht hervorgeht.
  • Du bist Quereinsteiger und musst erklären, warum deine bisherige Erfahrung trotzdem relevant ist.
  • Du hast Lücken im Lebenslauf, die du einordnen möchtest.
  • Die Stelle ist hochqualifiziert und du willst dich von vielen ähnlich qualifizierten Bewerbern abheben.
  • Du bewirbst dich in einer traditionellen Branche (öffentlicher Dienst, Banken, Kanzleien), in der ein Anschreiben als Zeichen von Sorgfalt gilt.

Argumente gegen ein Anschreiben:

  • Die Stellenanzeige sagt explizit, dass keins gewünscht ist.
  • Das Bewerbungsportal bietet keine Möglichkeit, eines hochzuladen.
  • Du bewirbst dich auf eine Position, bei der praktische Fähigkeiten zählen (z. B. Entwickler mit GitHub-Portfolio, Designer mit Arbeitsproben).
  • Dein Lebenslauf spricht bereits für sich und die Stelle passt perfekt zu deinem Profil.

Im Zweifelsfall gilt: Ein gutes Anschreiben schadet nie. Ein schlechtes schon. Wenn du nicht die Zeit oder Motivation hast, ein individuelles Anschreiben zu verfassen, das echten Mehrwert bietet, ist es besser, keines zu schicken, als ein generisches. Falls du dich doch für ein Anschreiben entscheidest, aber wenig Zeit hast, kann ein kurzes Anschreiben die ideale Lösung sein -- fünf bis sechs Sätze, die auf den Punkt kommen.

Alternativen zum klassischen Anschreiben

Wenn du kein Anschreiben einreichst, hast du trotzdem Möglichkeiten, deine Motivation und Persönlichkeit zu zeigen. Hier sind die wirksamsten Alternativen:

Kurze E-Mail mit Kernbotschaft. Wenn du deine Bewerbung per E-Mail verschickst, ist der E-Mail-Text selbst eine Mini-Version des Anschreibens. Drei bis vier Sätze reichen: Nenne die Stelle, deine relevanteste Qualifikation und deinen frühesten Starttermin. So bekommt der Empfänger sofort einen Eindruck, ohne ein separates Dokument öffnen zu müssen.

LinkedIn-Nachricht. Bei Bewerbungen über LinkedIn kannst du dem Recruiter oder Hiring Manager eine kurze Nachricht schicken. Zwei bis drei Sätze, die zeigen, dass du dich mit der Stelle beschäftigt hast, wirken oft mehr als ein seitenlanges Anschreiben. Bleib persönlich, konkret und verzichte auf Floskeln.

Motivationsschreiben statt Anschreiben. In manchen Kontexten -- etwa bei Studienbewerbungen, Stipendien oder internationalen Positionen -- ersetzt ein Motivationsschreiben das klassische Anschreiben. Die beiden Formate unterscheiden sich in Struktur und Inhalt deutlich. Den genauen Unterschied erklären wir auf unserer Seite zum Unterschied Motivationsschreiben und Anschreiben.

Video-Bewerbung. Einige Unternehmen bieten die Möglichkeit, ein kurzes Video einzureichen. In 60 bis 90 Sekunden stellst du dich vor, nennst deine Motivation und zeigst deine Kommunikationsfähigkeit. Das Format eignet sich besonders für kundennahe Positionen oder kreative Berufe.

Portfolio und Arbeitsproben. In vielen Berufen sagen Arbeitsproben mehr als jedes Anschreiben. Designer, Entwickler, Texter, Architekten oder Fotografen können mit einem überzeugenden Portfolio den Bedarf an einem Anschreiben komplett ersetzen. Verlinke dein Portfolio direkt im Lebenslauf oder im Bewerbungsportal.

So hebst du dich ohne Anschreiben ab

Wenn das Anschreiben wegfällt, verlagert sich der Fokus auf andere Elemente deiner Bewerbung. Hier sind die wichtigsten Stellschrauben:

Lebenslauf optimieren. Ohne Anschreiben ist dein Lebenslauf das einzige Dokument, das Eindruck machen muss. Achte auf eine klare Struktur, relevante Stichworte aus der Stellenanzeige und messbare Erfolge. Dein Lebenslauf sollte nicht nur Stationen auflisten, sondern Ergebnisse zeigen. Achte außerdem auf ein professionelles Anschreiben-Format, falls du dich entscheidest, doch eines beizulegen.

LinkedIn-Profil pflegen. Recruiter prüfen fast immer dein LinkedIn-Profil, besonders wenn kein Anschreiben vorliegt. Sorge dafür, dass dein Profil vollständig ist: professionelles Foto, aussagekräftige Headline, detaillierte Berufserfahrung mit Ergebnissen und Empfehlungen von Kollegen oder Vorgesetzten.

Referenzen aktiv nutzen. Wenn kein Anschreiben da ist, in dem du deine Motivation erklärst, können Referenzen diese Lücke füllen. Nenne zwei bis drei Kontaktpersonen in deinem Lebenslauf oder biete an, Referenzen auf Anfrage bereitzustellen.

Kurzprofil im Lebenslauf. Viele moderne Lebensläufe beginnen mit einem Kurzprofil von drei bis vier Zeilen. Dieses Mini-Statement ersetzt in gewisser Weise den Kern des Anschreibens: Wer bist du beruflich, was bringst du mit und was suchst du? Nutze diesen Platz, um deine Positionierung klar zu machen.

Bewerbungsfragen sorgfältig beantworten. Viele Unternehmen, die auf das Anschreiben verzichten, stellen stattdessen gezielte Fragen im Bewerbungsformular. Nimm dir für diese Antworten genauso viel Zeit wie für ein Anschreiben. Hier entscheidet sich oft, ob du in die engere Auswahl kommst.

Häufige Fragen zur Bewerbung ohne Anschreiben

Kann ich mich ohne Anschreiben bewerben?

Ja, du kannst dich in vielen Fällen ohne Anschreiben bewerben. Voraussetzung ist, dass die Stellenanzeige kein Anschreiben verlangt oder das Bewerbungsportal kein entsprechendes Feld vorsieht. Viele Unternehmen -- besonders in der Tech-Branche und bei großen Konzernen -- haben das Pflicht-Anschreiben abgeschafft. Prüfe trotzdem immer die Stellenanzeige genau: Steht dort "Anschreiben erwünscht" oder ist ein Pflichtfeld im Portal markiert, solltest du eines einreichen. Wenn du Hilfe brauchst, findest du passende Anschreiben-Vorlagen zum schnellen Anpassen.

Welche Firmen verlangen kein Anschreiben?

Zu den bekanntesten Unternehmen in Deutschland, die auf das Anschreiben verzichten, gehören die Deutsche Bahn, Henkel und Teile von Siemens und SAP. Auch viele Startups und Tech-Unternehmen wie N26, Personio oder Celonis verlangen kein klassisches Anschreiben. Die genauen Anforderungen variieren je nach Stelle, Standort und Abteilung. Schau immer in die konkrete Stellenanzeige und ins Bewerbungsportal, bevor du entscheidest.

Was schreibe ich statt eines Anschreibens?

Wenn kein Anschreiben gefragt ist, hast du mehrere Alternativen: eine kurze, persönliche E-Mail mit deiner Kernbotschaft, eine LinkedIn-Nachricht an den Recruiter, ein Kurzprofil am Anfang deines Lebenslaufs oder sorgfältig formulierte Antworten auf die Motivationsfragen im Bewerbungsportal. In jedem Fall sollte deine Kernaussage klar sein: Was bringst du mit und warum passt du zur Stelle? Weitere Orientierung bekommst du in unserem Leitfaden Wie schreibt man ein Anschreiben -- viele der Prinzipien gelten auch für Kurzformate.

Ist ein Anschreiben noch zeitgemäß?

Das Anschreiben ist nicht veraltet, aber es verändert sich. In traditionellen Branchen wie dem öffentlichen Dienst, bei Banken oder in Kanzleien gehört es nach wie vor zum Standard. In der Tech-Branche, bei Startups und bei international aufgestellten Konzernen verliert es dagegen an Bedeutung. Der Trend geht zu kürzeren, informelleren Formaten. Statt eines seitenlangen Anschreibens reichen oft wenige prägnante Sätze. Entscheidend ist nicht die Länge, sondern ob dein Text einen echten Mehrwert gegenüber dem Lebenslauf bietet.

Wie bewerbe ich mich ohne Anschreiben über ein Online-Portal?

Lade deinen Lebenslauf als PDF hoch und fülle alle Pflichtfelder im Portal sorgfältig aus. Wenn das Portal Motivationsfragen stellt, beantworte sie konkret und individuell -- sie ersetzen das Anschreiben. Nutze ein Kurzprofil am Anfang deines Lebenslaufs, um deine wichtigsten Qualifikationen zusammenzufassen. Wenn es ein optionales Anschreiben-Feld gibt, kannst du es nutzen, um dich von anderen Bewerbern abzuheben. Prüfe vor dem Absenden, ob alle Dokumente korrekt hochgeladen sind und deine Kontaktdaten stimmen.

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